Schinken räuchern in 3 einfachen Schritten (Anleitung mit meinen Erfahrungen)

Ein schönes Stück geräucherter Schinken ist nicht nur für den Gaumen eine Freude, sondern stellt auch die höchste Art der Veredelung dar. Ich selbst bin erst richtig auf den Geschmack gekommen, als ich anfing meinen Schinken selbst zu räuchern. Den Schinken aus dem Supermarkt kann ich nicht empfehlen, denn dieser hat nur sehr wenig gemeinsam mit selbstgeräuchertem Schinken aus dem eigenen Räucherofen zu tun.

Schinken räuchern ist dabei gar nicht so schwierig und aufwendig wie viele denken. In diesem Artikel werde ich genauer beschreiben, auf welche Weise ich schon seit vielen Jahren meinen Schinken selbst veredle und worauf man dabei am besten achten sollte.

Schinken räuchern – Heiß-, Warm-, oder Kalträuchern?

Zuallererst sollte man sich Gedanken über die drei Grundräucherarten machen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile, welche ich hier kurz darstelle. Genauer habe ich Heiß-, Warm-, oder Kalträuchern mit den jeweiligen Temperaturen bereits in einem anderen Artikel beschrieben.

  • Heißräuchern: Bei dieser Methode wird das Fleisch bei hohen Temperaturen (60 bis 120°C) Räucherofengegart. Das Raucharoma wird dabei besonders intensiv und der Räucherschinken wird schön dunkel. Außerdem braucht das Heißräuchern am wenigsten Zeit.
  • Warmräuchern: Die Temperaturen liegen hier bei rund 30 bis 50°C, wodurch das Eiweiß noch nicht zu gerinnen beginnt. Das Warmäuchern wird heutzutage aber eher weniger für die Zubereitung von Schinken verwendet.
  • Kalträuchern: Meistens kommt beim Schinken räuchern das Kalträuchern zum Einsatz (15 bis 25°C). Dabei bleibt der Schinken aufgrund der geringen Temperatur in seinem rohen Zustand und wird nur mit einer schönen Rauchnote versehen.

Um die Frage der Zwischenüberschrift noch abschließend zu beantworten: Kalträuchern ist am weitesten verbreitet für die Herstellung von Schinken. Heißräuchern ist ebenfalls möglich. Ich empfehle, dass man einfach beides mal ausprobiert und dann entscheidet welcher Schinken besser schmeckt. Die Ergebnisse werden sehr unterschiedlich sein und somit auch der Geschmack. Probieren geht über Studieren.

Welches Holz soll ich wählen, um meinen Schinken zu räuchern?

So wichtig wie die Entscheidung der Räuchermethode ist außerdem die Wahl des richtigen Holzes. Je nach Holzart erhält man ganz verschiedene Rauchintensitäten und Raucharomen. Um euch am besten einen Überblick zu verschaffen, habe ich für euch einen kleine Auflistung erstellt:

  • Fichtenholz und Tannenholz: Wird verwendet, um Schwarzwälderschinken herzustellen. Durch den hohen Harzanteil, erhält man die typische dunkle Färbung und einen intensives Raucharoma. Am besten eine Woche warten vor dem Verzehr, um die erste „Schärfe“ aus dem Schinken zu nehmen.
  • Erlenholz: Tiroler Schinken wird traditionell mit Erlenholz geräuchert und erhält dadurch sein unverwechselbare rote Färbung.
  • Buchenholz: Am beliebtesten zum Schinken räuchern ist Buchenholz, weil es neben seinem günstigen Preis dem Schinken einen schönen milden Rauchgeschmack verleiht. Sehr appetitlich ist ebenfalls die rotbraune Farbe im inneren des Schinkens.
  • Fruchthölzer: Diese verleihen dem Schinken ein mildes Aroma mit einer gewissen fruchtigen Note. Denkbar wären hier zum Beispiel Kirschhölzer.

Anleitung Schinken räuchern: In drei Schritten zum Erfolg

Um am Ende einen richtig leckeren Schinken zu haben, sollte man die folgenden drei Schritte beachten. Dabei werde ich auch von meiner eigenen Erfahrung berichten, die ich seit vielen Jahren sammeln konnte. Nun zu den einzelnen Schritten:

  1. Pökeln: Zuallererst muss der Schinken „gepökelt“ werden. Dieser Vorgang ist wichtig, damit der Schinken später nicht so schnell verdirbt. Mit Hilfe von Nitritpökelsalz wird dem Fleisch Wasser entzogen, wodurch dieses härter und trockener wird. Bakterien haben es somit schwerer sich zu vermehren und der geräucherte Schinken bleibt länger haltbar. Den genauen Pöckelvorgang beschreibe ich jetzt: Ich beginne immer mit der Herstellung der „Marinade“. Diese besteht aus mehreren Komponenten zu denen zählen: Pro Kilogramm Fleisch verwende ich 35 Gramm Nitritpökelsalz, 10 Gramm Zucker, schwarzer Pfeffer, Gewürze wie Thymian oder Pfefferminze. Bei den Gewürzen muss jeder selbst ausprobieren, welche Kombinationen am besten schmecken. Einfach ein wenig rumexperimentieren. Den Schinken gründlich mit der Marinade einreiben und schließlich mit einem Frischhaltebeutel einpacken. Ich empfehle, das Fleisch für rund eine Woche im Kühlschrank lassen, damit die Marinade ihr „Arbeit“ verrichten kann. Nach dem Pökeln muss der Schinken in einem Wasserbad versenkt werden, damit das überschüssige Salz abgewaschen wird. Am besten das Wasser immer wieder währenddessen wechseln. Der Vorgang dauert etwa 30 Minuten. Nach dem Wasserbad wird das Fleisch nochmals für 48 Stunden an einem trockenen und nicht zu warmem Ort gelagert, ehe es mit dem eigentlichen Räuchern des Schinkens losgehen kann.
  2. Räuchern: Das Fleisch hat zu diesem Zeitpunkt schon sehr viel Wasser verloren und ist somit schon recht fest. Die perfekte Konsistenz und ein schönes Aroma erhalten wir nun mit dem Kalträuchern. Weiter oben in diesem Artikel habe ich bereits beschrieben, bei welchen Temperaturen das Kalträuchern stattfinden sollte. Buchenholz eignet sich gut für das Schinken räuchern. Ich empfehle den Schinken für rund 36 Stunden im Räucherofen zu belassen. Dabei alle 6 Stunden den Räuchervorgang unterbrechen und den Schinken für 4 Stunden der frischen Luft auszusetzen. Also immer abwechselnd: 6h Räuchern, 4h Frischluft, 6h Räuchern… bis schließlich die 36 Räucherstunden erreicht sind.
  3. Geduld haben: Nachdem das Kalträuchern nun abgeschlossen ist, lasse ich den fertigen Schinken immer noch ein paar Tage nachreifen. Dadurch verschwindet der sehr intensive Rauchgeschmack und die Aromen der verwendeten Gewürze kommt besser zur Geltung.

Am Ende dieses Artikels will ich noch ein paar allgemeine Grundregeln loswerden, damit ihr am Ende ein gutes Räucherergebnis erhaltet und auch schmeckt 🙂

    • Man sollte auf jeden Fall vermeiden nasses Fleisch zu Räuchern. Vor dem eigentlichen Räuchervorgang immer mit Küchenrolle vorsichtig abtupfen. Sonst kann es am Ende leicht säuerlich schmecken.
    • Wichtig ist, dass ihr immer zu unbehandeltem Holz ohne irgendwelche Schadstoffe greift. Letztendlich schadet man damit seinem eigenen Körper, der diese Stoffe beim Verzehr unweigerlich aufnimmt.
    • In den kühlen Jahreszeiten kann sich im Räucherofen bzw. Räucherschrank Kondenswasser bilden, welches unschöne Schlieren auf dem Schinken hinterlassen kann. Deshalb zwischen den Räuchervorgängen das Wasser abtupfen.

Meine Grundlagen über das Räuchern habe ich mir mit Hilfe eines Fachbuches angeeignet: „Fleisch pökeln und räuchern: Von Schinken bis Spareribs“ von Bernhard Gahm. Schöne Erklärungen mit umfangreichen Anleitungen. Kann ich auf jeden Fall empfehlen.

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Ich wünsche euch viel Erfolg bei euren eigenen Räucherversuchen und guten Appetit.

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